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Rücksichtsnahme

Der Hund, das unbekannte Wesen?

Es gibt wahrscheinlich kein anderes Haustier, welches eine derart breite Palette von Gefühlen bei uns Menschen auslöst. Von heiss geliebt bis gehasst, von verwöhnt bis misshandelt, von vermenschlicht bis versklavt, von bewundert bis gefürchtet – der „beste Freund des Menschen“ ruft die unterschiedlichsten Reaktionen hervor.

Oftmals sind die negativen Gefühle, welche viele Menschen dem Hund entgegenbringen im (Fehl)-Verhalten vieler Hundehalter zu suchen. Wenn Hundekot nicht weggeräumt wird, kann der Hund nichts dafür, wenn der Vierbeiner fremde Menschen belästigt, wenn er Wild jagt, Katzen durch fremde Gärten hetzt, Jogger und Biker bedroht, Spaziergänger mit und ohne Hund belästigt, vor Geschäften angebunden kläfft, im Kulturland Löcher grabt – dann sollte nicht über den Hund geschimpft werden, sondern über den Besitzer, welcher versäumt, seinen Vierbeiner artgerecht zu erziehen und zu halten! Nicht der Hund ist hier das eigentliche Problem, sondern der unwissende, gleichgültige oder unanständige Mensch!

All die positiven Begegnungen mit netten Hunden und freundlichen Hundehaltern gehen oftmals wegen einigen wenigen unerfreulichen Erlebnissen verloren. Hundebesitzer, welche ihren Hund überall frei laufen lassen, die „er will nur spielen“ schreien, wenn er einen Jogger anspringt, einen fremden Hund quer durch den Wald hetzt, sollten endlich lernen, Rücksicht auf andere Menschen zu nehmen. Nicht jeder liebt meinen Hund so, wie ich ihn liebe. Der Hundehalter mag ja vielleicht wissen, dass sein Hund tatsächlich niemandem etwas zu Leide tun will, aber der Mensch, der sich evtl. vor Hunden fürchtet, weiss das schlicht und einfach nicht und „er macht nichts“ ist wahrscheinlich der meistgehörte Satz VOR einem Hundeangriff gewesen…

Mein Hund vertraut mir und ich wage zu behaupten, dass er mich liebt. Für meinen Hund ist es keine Strafe, wenn ich ihn zu mir zurückrufe, weil Menschen oder Tiere entgegen kommen. Er kommt freudig zu mir und wir gehen bei diesen Begegnungen gemeinsam daran vorbei. Wie viele „Merci viumau“ oder wenigstens ein Lächeln oder dankbares Nicken habe ich in meinen 25 Jahren als Hundehalterin in den Wäldern rund um Ittigen und Zollikofen schon bekommen! Jede dieser Begegnungen ist ein Aufsteller sowohl für mich wie auch für die Nichthundehalter! Und für meinen Hund, der spürt, dass da mindestens zwei Menschen richtig zufrieden mit ihm sind, bleiben solche Begegnungen positiv in Erinnerung und bei der nächsten Begegnung sucht er genau aus diesem Grund wie von selber meine Nähe!

Der Hund bringt uns Menschen so viel! Denken wir nur an die vielen einsamen Menschen, welche dank den Spaziergängen mit ihm Begegnungen und Gespräche mit anderen, meist wildfremden Menschen erleben! Wie viele Bekanntschaften und Freundschaften sind schon geknüpft worden, nur weil immer wieder solche Begegnungen vorgekommen sind?!


Der Hund als Helfer des Menschen ist vielfältig, vielseitig, wertvoll und nicht mehr wegzudenken! Der Blindenführhund ermöglicht eine grosse Mobilität und Sicherheit, der Behindertenbegleithund hilft seinem Menschen bei der Bewältigung alltäglicher Geschäfte. Unzählige Menschenleben sind dank des Einsatzes eines Hundes gerettet worden, sei das durch Lawinensuchhunde, Trümmersuchhunde nach Erdbeben oder Hauseinstürzen, Gebirgsflächensuchhunde haben ungezählte vermisste und verirrte Personen gerettet, indem sie rechtzeitig gefunden wurden, es gibt Wasserrettungshunde, welche ihr Leben auf das Spiel setzen, um Ertrinkenden Rettungsringe zu bringen … bei Polizei und Militär riskieren die Vierbeiner ihre Sicherheit, um dem Menschen den Einsatz zu erleichtern.
Die Liste wäre beliebig zu verlängern. Jagdhunde, Herdenschutz- und Herdengebrauchshunde, Reitbegleithunde, Therapiehunde gerade im Einsatz mit kranken Kindern und alten Menschen – ohne sie wäre die Welt um ein vielfaches ärmer und trauriger!

Irène Wyss

Diesen Text habe ich anlässlich unserer Vorführungen an der GAZ (Gewerbeausstellung Zollikofen) 2008 für die GAZette verfasst.